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<title>Unter Menschenfressern am Amazonas</title>
.pi Jean de Léry+
.*i Säugetiere_Ameisenaffe
Unter Menschenfressern am Amazonas
1557 November, Ilha de Villegagnon, Rio de Janeiro
<div class="namindex">
<a href="../Namen/Lery_Jean_de.xml" onmouseover="highlightWords(event)">Jean de Léry</a>
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<div class="zitat">
   [p.209] Das ander Tier, über das ich noch sprechen möchte, wird von den Wilden "Koati"
   genannt. In der Gestalt ähnelt es einem großen Hasen, hat aber ein kurzes, glattes, gesprenkeltes
   Fell und kleine, hochstehende, spitze Ohren. Der Kopf ist keineswegs groß; außerdem läuft von
   den Augen hinab eine Art Nase, die länger ist als ein Fuß. Sie ist rund wie ein Stab und dann
   plötzlich gespalten, ohne daß sie oben viel stärker als in der Nähe des Mundes wäre. Letzterer
   ist so klein, daß man wohl kaum den kleinen Finger hineinstecken kann. Die Schnauze ähnelt
   der Schnarrpfeife oder dem Rohr eines Dudelsacks. Man kann sich kaum eine bizarrere und
   unheimlichere Form vorstellen. Wird dieses Tier gefangen, so führt es die vier Beine zusammen.
   Dabei fällt es immer nach der einen oder der anderen Seite um oder läßt sich flach auf den
   Boden fallen. Weder zum Stehen noch zum Fressen läßt sich das Tier bringen. Normalerweise
   lebt es in den Wäldern nur von Ameisen. [p.210] Etwa acht Monate nach unserer Ankunft auf
   der Insel brachten uns die Wilden einen dieser Koati. Da das Tier für uns etwas völlig Neues
   war, wurde es, wie man sich denken kann, entsprechend bewundert. Im Vergleich zu unseren
   europäischen Tieren erscheint es seltsam mangelhaft. Oft habe ich Jean, den Gärtner unserer
   Gruppe, der ausgezeichnet porträtierte, gebeten, eine Zeichnung von diesen und anderen Tieren
   anzufertigen, da es dort wirklich viele seltsame und bei uns vollkommen unbekannte Tiere gibt.
   Zu meinem Bedaueren hat er sich jedoch nie dazu bereit gefunden.
      [p.390] Koati: Tupi-Bezeichnung für den Ameisenbär, ein gebißloses
   südamerikanisches Säugetier mit langem Rüssel, das sich fast völlig von Ameisen
   ernährt.
</div>
Zitiert nach: Léry 1977, p.209-210, 390.
Copyright © 2008 Manfred Staudinger
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